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Ein Foto des alten Lyzeums in Olpe

Altes Lyzeum Olpe

„Heimatverein für Olpe und Umgebung e.V.” – Geschichte und Gegenwart

Von Gerhard Burghaus

Nur wenige Heimatvereine gab es im kurkölnischen Sauerland, als man sich im Jahre 1921 auch in Olpe ernsthaft mit der Gründung eines solchen Vereins beschäftigte. Im Kreis Olpe wirkte bereits seit 1898 der „Verein für Orts- und Heimatkunde Attendorn.” Seine Gründung geht vermutlich auf die Vorbereitung einer Ausstellung der Abteilung Paderborn des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens zurück, der am 7. und 8. September 1897 in Olpe tagte.

In Olpe selbst scheint diese Jahrestagung keine unmittelbare Wirkung ausgelöst zu haben. Vielmehr fällt die Gründung des heutigen Heimatvereins für Olpe und Umgebung, der sich bis 1977 „Heimatverein für das ehemalige Justizamt Olpe” nannte, in die von politischen Krisen und wirtschaftlicher Not geprägten Jahre nach dem Ersten Weltkrieg. In dieser Zeit erlebte die Heimatbewegung in Deutschland ihren ersten Höhepunkt, so auch in Olpe.

Als den eigentlichen Gründer des Olper Heimatvereins ist der damals aus beruflichen Gründen in Cochem (Mosel) lebende Studienrat Josef Schmelzer anzusehen, der 1880 in Olpe geboren wurde. Auch wenn Schmelzer bis zu seinem Tode 1975 Cochem nicht mehr verlassen hat, so hat er die Verbindung mit Olpe nie abreißen lassen und auch in den folgenden Jahrzehnten aktiv am Vereinsleben teilgenommen sowie Beiträge in Wort und Schrift (z.B. „Lied der Heimat” Olpe 1958) geleistet. Schmelzer veröffentlichte am 18. Januar 1921 einen Aufruf zur Gründung eines Heimatvereins in der in Olpe erscheinenden Tageszeitung „Sauerländisches Volksblatt”. Darin nennt er Aufgaben wie beispielsweise die Sammlung von Liedern, Sprüchen und Flurnamen. Weiter schlägt Schmelzer „die Registrierung und Erhaltung aller in Olpe noch vorhandenen Urkunden u. dgl.” und für einen späteren Zeitpunkt „die Gründung eines Heimatmuseums, in dem auch leihweise überlassene Altertümer zur Besichtigung untergebracht werden könnten“, vor. „Die Gründung des Vereins”, schreibt er weiter, „müßte sofort von Männern und Frauen, denen die Erhaltung der heimischen Eigenart Herzenssache ist, in die Wege geleitet werden durch öffentlichen Aufruf und Versammlung.“ Die Aktivitäten Schmelzers, auf die hier nur kurz eingegangen werden kann, führten recht schnell zum gewünschten Erfolg. Am 17. August 1921 wurde der „Heimatverein für das ehemalige Justizamt Olpe“ gegründet. Räumlich sollte sich die Tätigkeit des Vereins nach der Satzung auf das Gebiet des früheren Justizamtes Olpe erstrecken, d.h. auf die Stadt Olpe und die Ämter Olpe, Drolshagen und Wenden.

In der Vorstandssitzung am 5. Dezember 1921 wurde für die Vereinssatzung der Vereinszweck wie folgt formuliert: „Der Verein bezweckt die Pflege der Orts- und Heimatkunde, der heimischen Eigenart und Sprache, Erforschung und Sammlung alter Sitten, Gebräuche, Sagen; Sammlung der hierauf bezüglichen Gegenstände und Altertümer, Schutz der heimischen Landschaft, Pflanzen und Tierwelt, Natur- und Kunstdenkmäler. Er sucht diesen Zweck zu erreichen durch Herausgabe einer Zeitschrift, durch Vorträge und Versammlungen.“ Mit leichten Änderungen und Ergänzungen, die im Laufe der Jahrzehnte aus den verschiedensten Gründen notwendig wurden, hat sich der in der ursprünglichen Satzung definierte Vereinszweck in seinem Wesensinhalt bis heute erhalten. Geändert und erweitert wurde er beispielsweise durch die Formulierung „Pflege der heimischen Landschaft, Natur- und Umweltschutz...“ und durch den Hinweis „Bei Konkurrenz mit anderen Vereinen, Verbänden oder Einrichtungen soll grundsätzlich der Weg der Zusammenarbeit gewählt werden.“ Außerdem wurden Änderungen in den Funktionen der Mitglieder des geschäftsführenden Vorstandes vorgenommen. So wurde das Vorstandsamt des Schriftleiters geschaffen, da die Herausgabe von Schriften nach wie vor besondere Bedeutung in der Vereinsarbeit hat. Als weitere Beispiele seien die Entsendung von Vereinsmitgliedern und deren Mitwirkung in der örtlichen Kommission des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“ und mit beratender Stimme in Angelegenheiten des Denkmalschutzes im Planungs- und Bauausschuss der Stadt Olpe genannt. Bei den Satzungsänderungen und -ergänzungen handelt es sich um durchaus zeitgemäße und notwendige Klarstellungen, die im heutigen Vereinsleben umgesetzt werden.

Hatte Schmelzer seinerzeit die Schaffung eines Museums als eines der Hauptanliegen eines Heimatvereins für Olpe genannt, so schien es in den folgenden zwei Jahrzehnten, als sei diese Idee verhältnismäßig schnell in die Tat umzusetzen. Der Heimatverein besaß zum Ende des Zweiten Weltkrieges auch eine beachtliche Sammlung, die, stöbert man in den noch vorhandenen diesbezüglichen Archivalien, möglicherweise den Grundstock für ein Heimatmuseum der traditionellen Art hätte werden können. Nach dem Zusammenbruch sah man sich aber allein schon aus Gründen der mangelhaften Unterbringung nicht mehr in der Lage, den Gedanken an ein Heimatmuseum weiter zu verfolgen. Die Sammlung wurde aufgelöst, die Exponate bis auf die Archivalien und Buchbestände an die früheren Eigentümer zurückgegeben. Leider sind damals viele Gegenstände unwiederbringlich verlorengegangen, die man heute, nach der Gründung des „Fördervereins Stadtmuseum Olpe“ im Jahre 1997, schmerzlich vermisst. Der Heimatverein arbeitet heute, entsprechend seiner Satzung, mit diesem Förderverein zusammen und war an dessen Gründung maßgeblich beteiligt.

Eine weitere Idee Schmelzers, die der junge Verein in schwerer Zeit erstaunlich schnell verwirklichte, war die Herausgabe einer eigenen Zeitschrift. Bereits im März 1922 erschien die erste Ausgabe der „Heimat-Blätter“. Schon die Gestaltung des Titelblatts wies in bildhafter Form auf das Vereinsgebiet hin, nämlich durch die von Eichenlaub bekränzte, einträchtige Darstellung der Olper Stadtmauer mit dem Hexenturm, der Dörnschlade im Amt Wenden und der Drolshagener St.-Clemens-Pfarrkirche. Wie sehr den Aktiven um Joseph Schmelzer die Pflege der gerade im ursprünglichen Vereinsgebiet von höchst unterschiedlichen Formen geprägten plattdeutschen Sprache am Herzen lag, wird aus dem ersten Textbeitrag „Tau´r Inföihrunge“ („Zur Einführung“) deutlich. Der zweite Beitrag wird im Untertitel als „Ein Wort zum Geleit“ bezeichnet und trägt die etwas irreführende Überschrift „Heimatverein Olpe“. Verfasst hat ihn Joseph Schmelzer, und er benutzt in diesem Geleitwort Formulierungen, die uns heute fremd sind, die uns zu schwülstig sein mögen, die wie aus längst vergangener Zeit klingen: „Es ist kein groß Trompeten und Schalmeien gehört worden, als der Heimatverein Olpe [Wieder benutzt J. Sch. nicht den ‚amtlichen’; Vereinsnamen. d.V.] mit Kleinkinderaugen die Heimatfreunde, die an seiner Wiege standen, zum erstenmale grüßte, aber ein heimlich Freuen war´s, ein Glänzen und Leuchten unter allen Wimpern, ein Segenswunsch auf allen Lippen.“ Oder: „Heimat! Klingt es euch nicht in den Ohren, als hörtet ihr die Mutter singen und sagen, als grüßte euch längst verwehte Jugend?“ Die Beispiele ließen sich noch fortführen, doch lassen wir nur diese beiden unkommentiert für die Krisenzeit nach dem soeben beendeten Weltkrieg sprechen und uns den lohnenden Versuch unternehmen, Geist und Initiative unserer Vereinsgründer in (ge)rechter Weise zu würdigen.

Bis zum Verbot der „Heimatblätter“ durch die „braunen“ Machthaber im Jahre 1941 hatte sich die Vereinszeitschrift trotz mancher Turbulenzen über das „Justizamt Olpe“ und über das Kreisgebiet hinaus einen Namen gemacht. In diesem Jahr erschien nur noch ein Heft, in dem ein Beitrag über den Tod des aus dem Kreis Olpe stammenden Paderborner Erzbischofs Dr. Caspar Klein stand, der nicht durch die Zensur der Partei gelaufen war. Damit war das Ende für die „Heimatblätter“ gekommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg durften die Olper Heimatblätter, wie die Heimatzeitschrift auch bezeichnet wurde, ab 1948 unter dem Namen „Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe“ wieder erscheinen. 1981 wurde die Herausgeberschaft an den 1980 nicht unwesentlich auch zu diesem Zweck gegründeten Kreisheimatbund Olpe e.V. abgetreten. Dass „Heimatblätter“ und „Heimatstimmen“ die hier nur kurz beleuchtete Bedeutung erlangten, ist neben ungezählten Autoren dem langjährigen 2. Vorsitzenden des Heimatvereins, Norbert Scheele (1903-1978) zu verdanken. Er übernahm 1931 die Schriftleitung, die er 1977 an Günther Becker abgab, der diese Arbeit ebenso erfolgreich bis 1994 weiterführte. Seit der ersten Ausgabe von 1995 liegt die Schriftleitung in Händen von Josef Wermert, damals Geschäftsführer, heute Schriftleiter des Heimatvereins für Olpe und Umgebung und Stadtarchivar der Stadt Olpe.

Bevor die „Heimatblätter“ 1941 wegen des oben erwähnten Beitrages über Erzbischof Klein - aber mit der offiziellen Begründung „Kriegsbedingter Personal- und Papiermangel“ - ihr Erscheinen einstellen mussten, war bereits die Vereinstätigkeit zum Ruhen gekommen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges unterlag bekanntlich jeder Beginn einer Vereinstätigkeit der strengen Prüfung durch die Besatzungsmacht. Gleichwohl kam der Neuanfang für den Heimatverein nach dem großen Zusammenbruch relativ schnell. Es war der Pfarrer der St.-Martinus-Pfarrei Olpe, Franz Menke, der die Initiative zu einer Neugründung des Heimatvereins ergriff. Bereits 1945 setzte er sich mit einigen an der Wiederbegründung des Heimatvereins interessierten Olper Bürgern im Hotel „Zur Kante“ zusammen. Am 19. Februar 1946 wurde bei der Militärregierung die Genehmigung zur Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit unter gleichzeitigem Vorschlag eines vorläufigen Vorstands beantragt. Vorsitzender wurde Dr. Tonis Müller, der den Verein bis zu seinem plötzlichen Tod am 9. November 1966 mit Umsicht leitete. In diese Zeit fallen monatliche Vortragsabende mit regen Aussprachen, und das Olper Platt feierte Triumphe. Oft reichte der Platz in den Versammlungsräumen nicht für alle aus, die gekommen waren. Dann begann um 1960 herum ein langsamer, aber stetiger Schwund an Besuchern, der nicht nur, aber auch mit dem Fernsehen zusammenhing.

Der Vorstand unter seinem Vorsitzenden Theo Hundt entschloss sich deshalb 1970 dazu, die regelmäßigen Zusammenkünfte ganz einzustellen und sich nur noch auf die Formalien des Vereinslebens zu beschränken. Die anfallenden Probleme wurden im kleinen Kreis besprochen und jeweils durch geeignete Persönlichkeiten den zuständigen Stellen vorgetragen. Nach außen hin war aber der Heimatverein nicht nur durch die Herausgabe der „Heimatstimmen“, sondern auch durch die Mitarbeit in den verschiedensten Gremien der Stadt Olpe (Arbeitskreis zur Förderung des Fremdenverkehrs, Kommission „Unser Dorf soll schöner werden“ u.a.) nach wie vor aktiv tätig. Der 1. Vorsitzende Theo Hundt konkretisierte in seiner sachlichen und zukunftsorientierten Weise zum 50jährigen Vereinsjubiläum die Probleme, die sich der Arbeit des Heimatvereins stellten. Er zählte einige konkrete Dinge wie Umweltschutz und Dorfgestaltung auf, die nach seiner Meinung schon erkennen ließen, wie viel Arbeit auf den Heimatverein wartete. Wie immer vorausschauend schrieb er: „Der Heimatverein hat nichts zu bestimmen, aber er ist überzeugt, daß er von den maßgeblichen Stellen gehört wird, wenn er von Fall zu Fall mit wohlüberlegten Argumenten dienen kann. Wenn es ihm auch noch gelingt, mehr junge Leute als bisher nicht nur zu interessieren, sondern auch zum Mittun zu bewegen - und darauf vertrauen wir fest -, dürfte es für die Zukunft des Heimatvereins nicht dunkel aussehen.“ In seinem damaligen Ausblick hat Theo Hundt Aufgaben genannt, denen sich der Heimatverein in den folgenden Jahren auch gestellt hat. Nicht alle waren zu erfüllen, was Theo Hundt auch gewusst hat. Noch im Jubiläumsjahr 1972 machte sich unter dem Vorsitz von Wolfgang Junker (+ 1996) ein neuer Vorstand mit Eifer ans Werk. Es wurde versucht, die Vorstands- und Vereinsarbeit neu zu beleben. Kernpunkte waren dabei heimatkundliche Exkursionen und Fragen des Denkmalschutzes. Besonders erfreulich ist anzumerken, dass im April 1975 die Plattdeutsche Runde gegründet wurde, an der von Anfang an ihre langjährigen Leiter Paul Brüggemann und Alfred Ohm teilnahmen, letzterer war bereits seit 1973 Kassierer des Vereins.

Es folgten bewegte Jahre, denn unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten und künstlich hochgespielte Rechtsunsicherheiten in der Vereinssatzung, die auch anders hätten bereinigt werden können, verursachten neben dem Rücktritt des Vorsitzenden einen fast schon bedrohlichen Mitgliederschwund. Zeitweilig lag die Führung des Vereins in den bewährten Händen von Norbert Scheele, der sich nie zu einer solchen Aufgabe gedrängt hatte, nun aber, der Not gehorchend, das Vereinsleben zusammen mit Theo Hundt aufrecht erhielt. Die Tätigkeit der beiden Heimatfreunde erlahmte ebensowenig wie zum Beispiel die von Paul Brüggemann (+1990), Franz Neuhaus (+1985), dem bereits erwähnten Alfred Ohm (+ 2004), Dr. Manfred Schöne (+ 1999), Carl Schürholz (+1991) und einiger anderer, deren Aktivitäten sich nicht nur in redaktionellen Beiträgen in den „Heimatstimmen“, sondern auch in stiller Kleinarbeit, unbeeindruckt vom „Notstand“ des Vereins, entfalteten. Ein neuer Vorstand unter Gerhard Kappestein kam am 5. Juli 1977 ins Amt, und in derselben Mitgliederversammlung wurde die Vereinssatzung aktualisiert mit der Änderung des Vereinsnamens in „Heimatverein für Olpe und Umgebung e.V.“. Schon bald entfaltete auch dieser Vorstand eine rege Tätigkeit. Nach gut einem Jahr berichtete er der Mitgliederversammlung ausführlich darüber und stellte dabei als eine seiner Hauptaufgaben den Bereich des Denkmalschutzes heraus. Kontroversen zu diesem Thema führten bezeichnenderweise zum Rücktritt des 1. Vorsitzenden im Jahre 1979. Der Verein wurde deshalb bis zur nächsten Mitgliederversammlung, die erst 1982 stattfinden konnte, vom 2. Vorsitzenden Paul-Heinz Wacker zielstrebig und mit nie erlahmendem Eifer geleitet, wobei der Mitarbeit des 1992 viel zu früh verstorbenen Adolf Müller (AOK) besondere Bedeutung zukam. Beispielsweise wurde in dieser Zeit die umfangreiche Bücherei des Vereins (heute ca. 7.000 Bände) erstmals fachgerecht registriert und damit benutzbar gemacht. Die Vereinsbücherei ist inzwischen als Leihgabe der Landeskundlichen Bücherei des Stadtarchivs Olpe angegliedert. Gleichzeitig ging das „Pannenklöpper-Denkmal“ auf dem Marktplatz in Olpe seiner Vollendung entgegen. Neben vielen anderen „Merkzeichen“ auf die Olper Geschichte, die auf Vorschläge des Heimatvereins, und hier insbesondere auf Vereinsmitglied Dr. Manfred Schöne, zurückgehen, ist dieses ein lebensnahes Gedenken an den einstmals wichtigsten Olper Erwerbszweig.

In der Zeit von 1982 bis 1992 gelang es dem Heimatverein unter anderem, die Originalsammlung der 1979 eingestellten örtlichen Tageszeitung „Sauerländisches Volksblatt“ zu erwerben und auf Mikrofilm zu kopieren sowie das Vortrags- und Exkursionsprogramm neu zu beleben. Herausragende Veranstaltung war das vom damaligen 1. Vorsitzenden Alfred Enders (+ 2004) initiierte Treffen der „Väter der Biggetalsperre“ im Jahre 1985. Zwanzig Jahre nach dem Einstau konnten die meisten am Bau des Wasserspeichers maßgeblich Beteiligten, unter ihnen der ehemalige Ministerpräsident Franz Meyers, begrüßt werden. Mehrere Publikationen wurden herausgegeben, unter ihnen das von dem 1978 verstorbenen Norbert Scheele verfasste „Olper Bürgerbuch“, das familienkundliche Nachrichten aus der Zeit vor der Führung der Kirchenbücher enthält. Bald machte sich durch die Abgabe der Herausgeberschaft der „Heimatstimmen“ im Jahre 1981 das Fehlen einer eigenen Vereinszeitschrift nachteilig bemerkbar. Mit einem „Mitgliederbrief“, der zunächst regelmäßig, nachher aber nur noch sporadisch erschien, wurde mit nur mäßigem Erfolg versucht, diese Lücke zu schließen. Auf Anregung des mit Wahl des Vorstandes im Jahre 1992 in das Amt des Geschäftsführers gekommenen Stadtarchivars Josef Wermert konnte erstmalig 1993 das Jahrbuch „Olpe in Geschichte und Gegenwart“ herausgegeben werden. Dieser Schrift, zunächst in erster Linie als Jahresgabe für die Mitglieder vorgesehen, war von der ersten Ausgabe an ein erfreulicher Erfolg beschieden. Sie enthält wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Beiträge, Aufsätze über Brauchtumspflege und Plattdeutsch, Nachrichten aus dem Vereinsleben, Buchbesprechungen usw. Während die erste Ausgabe noch mit gut 100 Seiten auskam, hat die des Jahres 2004, bedingt durch die Mitarbeit von 23 Autoren, einen Umfang von 300 Seiten. Mittlerweile steht der Heimatverein mit ca. 40 Vereinen und Institutionen im Schriftentausch, wodurch die Vereinsbibliothek wesentlich bereichert wird. Herausragende Veranstaltung der jüngeren Vergangenheit war das 75jährige Vereinsjubiläum, zu dem der Verfasser als derzeitiger 1. Vorsitzender am 18. August 1996 neben den meisten Vereinsmitgliedern Vertreter aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens und der benachbarten Heimatvereine begrüßen konnte. Dankbar konnte er damals anmerken, dass sich die Mitgliederzahl aus dem „Tief“ der ausgehenden 1970er Jahre von knapp 100 auf deutlich über 200 mehr als verdoppelt hatte, auch wenn heute, im Jahre 2005, mit gut 230 Mitgliedern durchaus noch eine Steigerung wünschenswert wäre. Noch in bester Erinnerung ist die Errichtung eines „Geschichtsbrunnens“ auf dem Kurkölner Platz in der Olper Innenstadt im November 1998. Ein vom Rat der Stadt Olpe gebildeter Arbeitskreis, in dem neben dem Verfasser noch weitere Vorstandsmitglieder des Heimatvereins mitarbeiteten, war in enger Zusammenarbeit mit den Initiatoren, den Planern und dem Düsseldorfer Künstler Karl-Heinz Klein an der Verwirklichung des Geschichtsbrunnens beteiligt.

Ein weiteres ehrgeiziges Projekt, nämlich das plattdeutsche Wörterbuch der Olper Mundart, wurde im Jahr 2008 als Band 3 der Stadtgeschichte von Olpe herausgegeben. Das Werk des im Jahre 1991 verstorbenen Autors Carl Schürholz wurde von dem Sprachwissenschaftler Dr. Werner Beckmann zusammen mit ehrenamtlichen Gewährsleuten aus Stadt und Land überarbeitet und ergänzt.

Der Heimatverein für Olpe und Umgebung geht hoffnungsfroh in sein 90. Vereinsjahr, wohl wissend, dass sich die Zeiten geändert haben und sich immer wieder ändern werden und man bemüht sein muss, sich darauf einzustellen. Niemand weiß, welche Entwicklung die Zukunft nimmt. Das wussten Joseph Schmelzer und seine Freunde in schweren Jahren auch nicht. Sie und alle ihre Nachfolger haben immer wieder nach vorne geblickt und das Vereinsschiff auf Kurs gehalten oder es manchmal wieder auf Kurs gebracht. Schauen wir also optimistisch in die Zukunft !


Benutzte Literatur:

1) Becker, Günther: Gründung und erste Jahre des Heimatvereins für das ehemalige Justizamt Olpe im geschichtlichen Kontext der Heimatbewegung des ersten Jahr- hundertviertels. In: Olpe in Geschichte und Gegenwart. Jahrbuch des Heimatver- eins für Olpe und Umgebung e. V. 4 (1996). S. 13 ff.

2) Hundt, Theo und Gerhard Burghaus, 75 Jahre Heimatverein für Olpe und Umge- bung e.V. -Ein Streifzug durch die Geschichte des Vereins-. In: Olpe in Geschichte und Gegenwart. Jahrbuch des Heimatvereins für Olpe und Umgebung e.V. 4 (1966). S. 30 ff.